#5 Von Hochzeiten, Kopftüchern und Chapatis

Kinder wie die Zeit vergeht. Am besten ihr nehmt euch eine Tasse Kaffee und etwas Zeit.



Wir schreiben heute den 16 Mai 2016 und ich bin doch jetzt tatsächlich schon fast ein einhalb Monate hier. Ich weiß gar nicht ob ich das Gefühl habe, dass die Zeit schnell oder langsam vergeht. Irgendwie ist jegliches Zeitgefühl ob schnell oder langsam verschwunden. Das ist unheimlich entspannend und ich genieße diesen zeitlosen zustand. Auch wenn hier nicht viel passiert schenke ich jedem Tag, jeder Stunde, jeder noch so kleine Kleinigkeit ihre gebührende Aufmerksamkeit. Wenn ich dann in der Abenddämmerung mit einer Tasse Tee auf der Terrasse sitze und den immer orangen werdenden Himmel gerahmt von Palmen und Mangobäumen betrachte, sind das die Momente, die das Leben so lebenswert machen.



Mittlerweile habe ich meine Romane durch textile Fachliteratur ersetzt. Ich finde es ist ein unglaublich gutes Zeichen, wenn man sich in seinem Urlaubssemester freiwillig mit Studieninhalten beschäftigt und ich kann mit vollem Verstand und Bewusstsein jetzt sagen, dass der Studiengang textiltechnologie-Textil Management, in den ich ab dem Wintersemester wechseln werde, genau mein Ding ist. Meine Affinität zum Outdoorsport hat mich also auf die Idee gebracht, mich organischen Fluorverbindungen zuzuwenden, sprich wasser- schmutz- und windabweisende Textilien. Nach ein paar sehr erschreckenden Erkenntnissen habe ich fest vor, das Wirrwarr aus Textilchemie und Fachbegriffen in einem Post zu vereinfachen. Ich bin der Meinung, dass jeder wissen sollte wie giftig seine Regenjacke von Jack Wolfskin und co eigentlich wirklich ist.



Bevor ich mich hier jetzt aber in Rage rede und moralische Predigten halte erzähle ich euch lieber von meiner ersten muslimisch – sansibarischen Hochzeit. Die Tochter des Onkels meines Onkels oder so ähnlich wurde letzten Freitag verheiratet. Wurde verheiratet deshalb, weil ich ehrlich gesagt, nicht genau weiß ob es eine Liebeshochzeit war, ich vermute aber eher nicht. Bald ist Ramadan und der Mann brauchte wahrscheinlich eine Frau die ihn abends bekocht. Zu Beginn habe ich mich etwas geziert mitzugehen, ich verstehe kaum ein Wort Swahili und Sansibar ist eine unglaublich konservativ muslimische Insel, also war klar, dass ich da in Kopftuch und langem Rock antreten muss. Für meinen Onkel war das aber gar keine Diskussion wert. Ich habe mir letzte Woche Gott sei Dank für ein paar Euro beim Schneider einen langen schwarzen rock nähen lassen und schwang mich so in den selbigen. Von meiner Tante habe ich mir ein echt nettes braunes Tuch geborgt und insgesamt sah das dann gar nicht so schlecht aus. Die Familie kommt aus einem der eher ärmlichen Viertel der Insel. Aber sie leben in Steinhäusern und nicht in Lehmhütten.

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Wir sind da dann also mit dem Auto hingefahren und durch die kleinen Gässchen erst mal ganz vielen Leuten guten Tag sagen gegangen. Ich hab ganz schnell beschlossen dass die Devise lächeln und nicken das Beste ist und hab mich immer hinter meiner Tante gehalten. Die hochzeiten hier werden entweder morgens mittags oder abends gefeiert, das muss nämlich mit den Gebets Zeiten übereinstimmen. Wer wenig Geld hat feiert morgens, denn mittags oder abends muss man Essen noch organisieren. Da gerade aber die Cholera ihre eiserne Hand über der Insel hat, ist es sowieso verboten auf großen Veranstaltungen essen auszugeben. Das Ganze läuft dann so ab, dass die Männer in die Moschee beten gehen und die Frauen währenddessen in einem anderen Raum zusammensitzen. Manche der Frauen beten, und irgendwann kommt dann eine Musikgruppe und es wird ein bisschen getanzt. Wir saßen eine gefühlte halbe Ewigkeit in diesem Raum, was mir aber unglaublich viel Spaß gemacht hat, da es nur so geglitzert und gefunkelt hat und ich ausgiebig Zeit hatte all die Stoffe und aufwendig gewickelten Kopftücher zu betrachten.  

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Der Mann wird nach dem Gebet mit dem Vater und Schwiegervater in der Moschee verheiratet; der Witz dabei ist, dass die Braut die ganze Zeit in ihrem Haus in einer dunklen Kammer sitzt und nichts tut. Irgendwann geht man dann zu diesem Haus und Männer und Frauen versammeln sich davor, es wird getanzt und gesungen und abwechselnd besuchen Frauen die Braut in ihrer Kammer. Irgendwann kommt der Mann holt die frau aus der Kammer. Soweit ich das verstanden hab, wir die dann pro forma noch mal gefragt. Dann verschwinden die beiden und es gibt eben noch einen Snack, der dank Cholera aus Wasser und Keksen bestand.

So ganz, muss ich gestehen, habe ich die ganze Zeremonie nicht verstanden, aber ich war dann doch sehr froh, mitgegangen zu sein. So was erlebt man nur einmal im Leben und ich bin unglaublich dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben! (auch wenn es mir dieses eher frauenfeindliche Hochzeitsritual nicht ganz so angetan hat… ) Bilder konnte ich leider sehr wenige machen, ich kam mir mit meiner weißen Haut sowieso schon sehr beobachtet und auffällig vor.


Eines der wichtigsten Dinge für mich am Reisen ist die neue Küche. Schon in Chile im letzten Jahr habe ich immer mit geschrieben wenn ich zum Essen eingeladen worden bin. Mein erstes „Gericht“, das ich hier gelernt habe sind Chapati. Runde teig Fladen die supergesund mit Öl bestrichen werden dass es nur so kracht und ausgebacken eine unglaublich leckere Blätterteig artige Konsistenz erhalten.

Das unglaublich einfach Rezept kann ich euch natürlich nicht vorenthalten: here weg go

Ihr knetet Mehl, Wasser, etwas öl, etwas salz zu einer soften masse zusammen. Dann lasst ihr den Teig ein Weilchen stehen. Daraufhin wellt ihr etwas Handflächen große Teig Bällchen zu superdünnen Fladen aus, bestreicht sie mit Öl, rollt sie zusammen und verknotet sie. Das macht ihr ein paar Mal. (Ich mach das nur einmal, aus Faulheit). Dann werden die verknoteten teile mit etwas Mehl zu kreisrunden Fladen ausgerollt und mit viel Öl in der Pfanne von beiden Seiten braun gebacken.
Et voilá. Eine super leckere Beilage ist entstanden.


Wie es sich in Afrika gehört bin ich auch in die Kunst der Kokosnussschälerei und Bananenernte eingewiesen worden. Eine unheimlich schweißtreibende Angelegenheit, da bei der Bananen ernte die komplette staude gefällt wird und so eine staude dann reif gute 30 Kilo wiegt. Dafür haben wir jetzt gerade Bananen im Überfluss und ich ernähre mich gerade von superleckeren schokonanaicecream mit cashewkernen. Dekadente Mandel oder Soyamilch gibt es hier leider nicht, aber Milchpulver mit Wasser tut es auch.



Absolut stolz war ich, als ich es vor kurzem geschafft habe, eine drei schichtige Buttermilchschokobiscuit- Torte zu backen. Ich hatte mit der tropischen Hitze und deren Auswirkungen auf Sahne und Co ehrlich zu kämpfen. Mal ganz abgesehen davon, dass hier solche Zutaten wirklich schwer zu bekommen sind ( vom Preis will ich erst gar nicht sprechen ). Nachdem ich dann das ganze Ding zuerst in die Tonne kippen wollte, ist es dann doch noch ganz schön und erstaunlich lecker geworden! 



So, genug des Kaffeeklatsches.Ich blicke positiv in die nächsten eineinhalb Monate hier und stürze mich jetzt in die Verarbeitung der 30 kg reifen Bananen, die da im Wohnzimmer vor sich hin vegitieren. Ich dachte an vegane Schokoladenbrownies...

1 Kommentar:

  1. Tolle Bilder und auf die veganen Schokoladenbrownies bin ich auch gespannt!^^
    Liebst, Bina
    stryleTZ

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