Detaillierte Berichte über die einzelnen Reisen findet ihr auf meinem 2. Blog und ganz viele schöne Bilder!


Seid ich die Schule beendet habe, bin ich eigentlich nur noch am Reisen. Und das ist wunderschön! Erst habe ich mit einem Interrailticket Europa erkundet, dann war ich in den Alpen wandern, darauf hin in München und Köln dank den Vorbereitungsseminaren meiner Organisation. Hier in Chile sitze ich nun fast jeden Monat einmal in einem Fernreisebus um einen neuen Teil dieses wahnsinnig großen und schönen Landes kennen zu lernen- den vielen Feiertagen hier sei dank. Ich will das gar nicht bestreiten, dass eine der Motivationen dieses FSJ in Lateinamerika zu absolvieren, das Reisen, das Kennenlernen von neuen Kulturen und Sprachen ist. 



In letzter Zeit wird dieses Thema ja sehr kontrovers diskutiert. Das Vorurteil " Abiturienten wissen nichts mit ihrem Leben anzufangen, also fahren sie ins Ausland um unqualifiziert irgendwo zu helfen und hauptsächlich Urlaub zu machen." 
Das ist vollkommener Quatsch. Klar tendiert man zu einem Auslandsaufenthalt, wenn man noch nicht weiß was man studieren soll. Dies ist aber auch nicht immer so. Ich zum Beispiel habe meinen Studienplatz schon sicher und weiß zu 100% was ich mal später machen will. Dieser Studienplatz wird mir nun ein Jahr freigehalten, da ich ein staatlich anerkanntes FSJ absolviere.
Auch sind diese Jugendlichen auf keinen  Fall unqualifiziert. Meine Organisation zum Beispiel lässt nur ausgebildete Pfleger in unserem Projekt mit Menschen mit Behinderung arbeiten. Ich selbst habe eine Ausbildung zur Jugendleiterin und Babysitterin und in Deutschland über Jugendgruppen und Ferienfreizeiten schon viele Erfahrungen mit Kindern gesammelt und arbeite nun hier in einer Kindergrippe. Uns FSjlern ist zu dem auch bewusst, dass wir in einem Jahr nicht die Welt verändern können und nur die wenigsten haben das berühmte "Mutter-Theresa-Syndrom" und denken, ohne sie könne man vor Ort nicht leben.


Das Vorurteil, diese Jugendlichen wollen ja eh nur Urlaub machen und Reisen ist klar nicht erfunden.
FSJler sind viel am Reisen, das ist Fakt. Aber erstens nicht NUR und zweitens sollten diese Kritiker auch mal einen anderen Sichtpunkt einnehmen und nicht immer alles nur kritisieren.
In ein paar Jahren wird diese FSJ-Generation fest im Berufsalltag verankert sein. Eine Generation, die mehr als eine neue Kultur kennen gelernt hat, eine Generation, die mehr als eine Sprache fließend spricht, eine Generation, die mehr als eine Mentalität kennt, eine Generation, die mehr gesehen hat, als das Mittelmmeer und die Ostsee, mehr gegessen hat als Brezel und Knödel, mehr gesehen hat als Reihenhäuschen mit Gartenzwergen und eine Generation mit Kontakten aus aller Welt 
Nur einmal so als Gedanke.


Aber zurück zum Thema; wer richtig reist kann so viel lernen, sehen und sich verändern. 
"Man sieht nur was man weiß" hat einmal ein ehemaliger Geographielehrer von mir gesagt und wo er recht hat, hat er recht. Und wenn man einmal in die Routine gekommen ist, liest man mehr wissenschaftliche Texte als in der kompletten Schulzeit. Was ist schon Valparaíso ohne den geschichtlichen Hintergrund, warum sollte man sich über zerstörte Gebäude in Talca wundern, wenn man doch die Berichte über das starke Erdbeben in Chile vor ein paar Jahren im Internet findet, warum sollte ich in einer Stadt leben über die ich so gar nichts weiß. 
Wer Reisen nicht als natürlich ansieht sondern jeden Augenblick genießt, jeden neuen Eindruck in sich einsaugt, jeden Geruch in Erinnerung behält und jedes Geräusch als Nummer 1 Hit abspeichert - diese Menschen haben ein reicheres Konto als jeder Ölscheich.



Ich habe dieses Jahr sehr viel mehr über mich gelernt, und das verdanke zu einem Großteil den Reisen. Du lernst dich einfach besser kennen wenn du mitten in Belgien stehst und einen Zug verpasst hast, den du unbedingt brauchtest und jetzt eine Notlösung suchen musst, wenn Mama und Papa nicht mehr deinen Urlaub planen und finanzieren und du nun die Hostels buchen musst und die Reise organisierst, wenn du auf einer anderen Sprache mit dem Hostelbesitzer über einen falschen Preis diskutieren musst, du vor der Entscheidung stehst ob du jetzt das Museum besuchst, weil deine Eltern dich plötzlich nicht mehr dazu zwingen...


Ich bin sehr dankbar um all die Erfahrungen, die ich sammeln konnte und noch sammeln werde, denn wenn es eine Investition gibt, die sich 100% lohnt, dann ist es Reisen. Von Reisen hast du garantiert später  mal mehr, als einer Daniel Wellington Uhr oder einem Triangl-bikini. Diese Erfahrungen kann niemand nehmen, löschen und stehlen. Dein Reisen-Konto wird dein einziges Konto sein, auf dem du stehts reicher wirst und der Umgang damit erfahrener, erwachsener, spontaner und offener.

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