OHNE KONZEPT

Ich habe nicht sonderlich viel Ahnung von Mode. Klar bin ich informiert, und klar interessiert mich Mode, sonst würde dieser Blog hier ja nicht existieren. Aber das ist oberflächlich, nicht wirklich eingearbeitet. 
Dank meiner Geschichtsaffinität Hab ich auch schon mehrere Bücher über die Geschichte der Mode gelesen. Es gab sogar Zeiten da konnte ich Kleidungsstücke in Zeitschriften Designern, der jeweiligen Kollektion und der Saison zu ordnen. Das hat sich geändert - Gott sei dank!
Was bringt es mir wenn ich weiß, dass durch Valentino der ganze Nieten Wahnsinn angefangen hat, Miu Miu irgendwelche unvorteilhaften Schuhe wieder rausgebracht hat wofür sich jedes Modepüppchen schon Monate vorher auf die Warteliste setzen lässt, Isabel Marant die Sache mit diesen schrecklichen "sneaker-wedges" verbrochen hat und Karl Lagerfeld seine Models bei seiner diesjährigen Haute couture Show in Turnschuhen rumrennen lässt. Im Endeffekt reg ich mich dann nur darüber auf, dass plötzlich alle Teenies Turnschuhe tragen und sich mit Nieten zu kleistern um dann 5 monate später zu beschließen dass "everything black" eigentlich viel cooler ist und ihre nietenshorts auf kleiderkreisel mit der Beschreibung "hipster yolo swag Shorts levis" verkaufen.
Und wenn ich da mal abschweifen darf, kaum einer, der sich als hipster bezeichnet kennt die geschichtlichen Hintergründe dieser Bezeichnung geschweige denn weiß  was swag ausgeschrieben bedeutet und, dass Boy London eigentlich eine sehr umstrittene Marke ist. 

Aber zurück zum Thema. Auf was ich hinaus will ist, dass mir dieser ganze Modezirkus gerade tierisch auf die Nerven geht. 
Ich ertrag beispielsweise die ganzen #mbfw posts nicht mehr. Kaum einer dieser Modeblogger hat nur irgendeine Ahnung von Mode! Klar werden sie sich dieses Jahr alle eine weiße skinny Jeans kaufen, und alle schwärmen sie über Lena Hoscheks super einfallslose Afrikakollektion.
Ich werf hier jetzt einfach mal das Vorurteil in die Runde, dass kaum einer von ihnen eine wirkliche Ahnung hat. Die wenigstens damit was anfangen können, wenn eine Kollektion mit dem Bauhausstil verglichen wird oder wissen was Gabrielle Chanel für eine Revolution iniziiert hat nur damit Christian Dior sie wieder zu nichte macht.
Nein, niemand muss Geschichte studieren um in der 10. Reihe bei Guido Maria Kretschmer zu sitzen und Bilder von seiner Show auf Instagram hochzuladen, aber die ganze Branche ist immer noch ein wasweißichwievielmilliarden Euro Geschäft und da würde ich mir einfach etwas mehr Glaubwürdigkeit wünschen.
Mehr Menschen die sich wirklich für Mode und nicht für ihre Leserzahlen oder likes auf Instagram  interessieren und immer nur, auf Teufel komm raus, das Neueste besitzen wollen. Mehr von denen die mit den Begriffen Nachhaltigkeit und Angebot und Nachfrage sensibler umgehen und mehr Individualität.
Was bringt es krampfhaft zu versuchen, aus Berlin Paris zu machen? Warum laufen alle in hässlichen neopren Plateau Sandalen rum, nur weil irgendein Mode Guru beschließt, dass die in sind? Und seit wann ist Kim Kardashians Hintern interessanter als der, bei weitem stilbewusstere Auftritt von Carine Roitfeld ?
Wann verstehen endlich mal alle das Mode mittlerweile einen relativ großen Einfluss auf den internationalen Handel hat? Und dass Konsum und Nachhaltigkeit nicht nur Inhalt von nervigen Gemeinschaftskunde und Geographie Klausuren ist. 
Ich merke gerade, dass ich sehr viele Ansprüche stelle, aber es ist leider Gottes die Wahrheit. Und ich merke gerade, dass ich zu Beginn auf Konsum hinaus wollte. 
Aber mich nervt anscheinend mehr, und das musste ich mal, ohne Konzept, dem Internet kundtun.

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